Druckversion Lernwerk 2
Ausgangslage
Einer
der gravierendsten Befunde der PISA-Studie ist der Nachweis, dass in Deutschland
fast zehn Prozent der Schülerschaft nicht einmal die Kompetenzstufe
I der Lesefähigkeit und weitere 13 Prozent gerade einmal die Kompetenzstufe
I erreichen. Da Lesen die Voraussetzung fast allen schulischen Lernens
ist, haben wir es – anders ausgedrückt – an deutschen
Schulen mit 23 Prozent Risikolernern zu tun. Wegen der höheren Anteile
ausländischer Schüler und der schwierigeren sozialen Lage dürfte
dieser Anteil von schlechten Lesern und damit Risikolernern in Großstädten
und so auch in Hamburg noch deutlich höher liegen. Der überwiegende
Teil dieser Schüler befindet sich bundesweit auf Hauptschulen (50
%), auf Sonderschulen (34 %) und Gesamtschulen (7 %). Da der Gesamtschulanteil
der Schülerschaft in Hamburg erheblich höher ist als im Bundesdurchschnitt
– in Hamburg haben wir mehr „Hauptschüler“ an Gesamt-
als an Hauptschulen –, ist auch der Anteil der Gesamtschüler
an der Gruppe der Risikoleser in Hamburg wesentlich höher.
Auf einer Veranstaltung der ZEIT-Stiftung an der Universität Hamburg hat Prof. Baumert, Leiter der PISA-Erhebung in Deutschland, die Forderung erhoben, dieser Schülerschaft sofort zusätzliche Angebote zur Behebung der Defizite zu geben und nicht zu warten, bis durch die intendierten strukturellen und curricularen Veränderungen, die „von unten nach oben“ wachsen, hier Abhilfe geschaffen wird. Der These, dass wir es uns nicht leisten können, in den nächsten zehn Jahren jedes Jahr eine so hohe Zahl von faktischen Nicht-Lesern aus den Schulen zu entlassen, ist ohne Einschränkung zuzustimmen.