Druckversion Lernwerk 2
Konzeption
Projektziel
Durch eine spezielle zusätzliche Leseförderung in den Abschlussklassen
der Sekundarstufen I wird ein Abbau beziehungsweise eine Reduzierung der
Lesefertigkeitsdefizite angestrebt.
Zielgruppe
Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 nach Auswahl durch einen
Lesetest. An jeder Schule wurden ein bzw. zwei Fördergruppen mit
jeweils acht Schülerinnen und Schülern gebildet. Das Projekt
hat 2004 als Pilotprojekt mit acht Schulen und ca. 100 Schülern begonnen.
Es folgt eine Evaluation und eine gegebenenfalls modifizierte Fortführung.

Durchführung
Studierende des Fachbereiches Erziehungswissenschaft der Universität
Hamburg führen die Förderung zweimal pro Woche je zweistündig
das gesamte Schuljahr hindurch an den betreffenden Schulen durch (siehe
Baustein I und II weiter unten).
Die Studierenden sind für die Leseförderung intensiv vor Projektbeginn
geschult worden und werden kontinuierlich durch Hospitationen und monatliche
Supervisionssitzungen pädagogisch begleitet.
Die Studierenden arbeiten in Zweierteams.
Den Studierenden werden diese Kurse als Praktika anerkannt. Die stundenmäßige Entlohnung übernimmt die ZEIT-Stiftung.
Der zeitliche Aufwand beträgt vier Unterrichtsstunden pro Woche ein ganzes Schuljahr hindurch. Davon werden zwei Stunden als Differenzierungskurse für Deutsch, Geschichte und Religion erteilt, sowie zwei weitere Stunden im Wahlpflichtbereich. Die Kurse des Wahlpflichtbereiches mit dem Schwerpunkt Lesen sind dafür eigens in das Curriculum der jeweiligen Schule aufgenommen worden.
Die Kursleiter und die Schülerinnen und Schüler der Förderkurse arbeiten mit Materialien, die von der ZEIT-Stiftung für den Wahlpflichtbereich entwickelt und zur Verfügung gestellt werden. Im Differenzierungsangebot zu den Fächern Deutsch, Geschichte und Religion arbeiten die Fördergruppen mit den Materialien, die auch in der Hauptgruppe von den Lehrkräften jeweils eingesetzt werden.
Die teilnehmenden Schüler erhalten am Ende des Kurses eine Zertifizierung, die im Zeugnis vermerkt wird.
Die Einbeziehung der jeweiligen Lehrkräfte in das Förderprogramm
wird angestrebt.
Beteiligte
Beteiligt sind die ZEIT-Stiftung, die ausgewählten Schulen, das Landesinstitut
für Lehrerbildung und Schulentwicklung, der Fachbereich Erziehungswissenschaft
der Universität Hamburg und die Behörde für Bildung und
Sport.
Die Projektleitung ist bei Prof. Dr. Reiner Lehberger und der ZEIT-Stiftung angesiedelt. Sie ist verantwortlich für Planung, Koordination, Begleitung und Auswertung.
Die Leseprogramme sind von der Projektleitung entwickelt worden. Die
Evaluation des Projektes wird in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut
durchgeführt .
Steigerung der Lesemotivation
Zur Ausgangslage der geförderten Schülerschaft gehört,
dass die meisten dieser Schülerinnen und Schüler in den letzten
Jahren wenig oder gar keine Bücher gelesen haben. Neben der Förderung
der sinnentnehmenden Lesefertigkeit ist ein weiteres Ziel daher die Förderung
der Lesemotivation.
Im wesentlichen geschieht dies durch den Einsatz einer Lesekiste in jeder Gruppe mit etwa zwanzig Büchern und das Führen eines Lesepasses. Die Schülerinnen und Schüler wählen aus der Lesekiste Bücher aus, die Lektüre wird ihnen nach Beantwortung einiger Inhaltsfragen von den Studierenden im Lesepass dokumentiert. Darüber hinaus hat das LERN-WERK im ersten Projektjahr für die Schüler eine Art "extrinsische Motivation" geschaffen: Jede Schüler, der mehr als fünf Bücher im Kurs liest, erhält eine Kinokarte.
Weitere motivationsfördernde Maßnahmen sind zentrale Lesungen von Jugendbuchautoren und der Besuch von Bücherhallen.
Baustein 1
Organisation:
- 2 Unterrichtsstunden pro Woche vormittags
- parallel zu Deutsch und einem weiteren Fach (vorzugsweise Geschichte, Religion, Politik ... )
- Teilnehmer: 8 Schüler, 2 Studierende als Kursleiter
Methoden:
- Systematische Schulung des sinnentnehmenden Lesens nach Lesestrategien
- 5-Gang-Lesetechnik:
- 1. Vorkenntnisse aktivieren
- 2. diagonales Lesen
- 3. genaues Lesen: schwierige Wörter und Schlüsselbegriffe klären, Text strukturieren
- 4. „W-Fragen“ stellen und beantworten
- 5. schriftlich und grafisch zusammenfassen und bewerten, grafisches Strukturieren
- Erweiterung des Wortschatzes durch systematisches Eingehen auf in
den Texten gefundene, den Schülern unbekannte Wörter in den
Feldern Wirtschaft und Politik
Inhalte:
- Texte, die parallel dazu in der Klasse von den Fachlehrkräften eingesetzt und von ihnen zur Verfügung gestellt werden
- ggf. Zusatztexte, die die Studierenden einbringen
Baustein 2
Organisation:
- 2 Unterrichtsstunden pro Woche am Nachmittag als Wahl-Pflichtkurs Lesen
- Teilnehmer: 8 Schüler (dieselben wie vormittags), die beiden Studierenden als Kursleiter
- Zensuren für den Wahlpflichtkurs werden in Kooperation mit dem
Deutschlehrer der Klasse gegeben
Methoden:
- 5-Minuten-Heft: schriftliche Kommunikation zwischen Studierenden und Schülern
- Übungen zu Konzentration und Augengymnastik / Schneller und besser lesen / Fehlerfrei lesen (Lese-Lernmaschine 7-9, Cornelsen) / Wortschatzübungen
- Lese- und Entschlüsselungsübungen mit Sachtexten und diskontinuierlichen Texten (5-Gang-Lesetechnik)
- Aufbau von Lesemotivation mit fiktionalen Texten
Methodische Wege
Dekodierfähigkeit und Lernstrategiewissen entwickeln
- u.a. Kernaussagen finden, Unbekanntes erschließen, Texte gliedern, W-Fragen stellen, Texte grafisch erfassen
- Anwendung der 5-Gang-Lesetechnik
Motivieren:
- Zeit geben für Eigenlektüre
- Vorlesen durch Studierende
- Lesepass führen
- Lesekiste mit 16 Büchern pro Gruppe
- Lesewettbewerb:
- Jeder, der fünf und mehr Bücher liest, erhält eine Kinokarte
- Welche Gruppe hat bis Ende Januar (Halbzeit) die meisten Bücher gelesen?
- Zentrale Lesung eines Jugendbuchautors
- Besuch der Bücherhallen und PÄKI
Interaktion:
- 5-Minuten-Heft
- Partnerarbeit
- Vokabelheft führen